Meiotom - Crônicas


 

 

Flavio Viegas Amoreira (2004)
contogramas S. 70 u. 71
Verlag 7 letras Rio de Janeiro

übers. aus dem
bras. Portugiesisch von
Udo A. Baingo



Eliot enthüllte interne Objekte. Zwei karierte Stoffsessel. Im Alter von 18 Jahren fragt fragt fragt er sich und erfindet bewußten Gesprächspartner: heile/gesunde Verrücktheit ist Exzentrizität oder benachteiligte Normalität. Sonntags gingen alle zur Messe: es war die Stunde des Sesselgeistes, - dieser der alles rafft und Inbegriffe inspiriert. Der Sesselgeist war sentenziöser Meister.

- Habe keine Kinder, - lese zu viel und ernte Nützliches und Nutzloses in gleichem Maße.

- Habe nie Kinder, nicht einmal denke daran, helfe ein bisschen entvölkern, das Zeugen ist heute ein unbedachter Schaden. Mache Sex aus Notwendigkeit und liebe aus Verdienst. Wenig Sex und Liebe nur dem Einzigen. Schlafe nicht immer mit dem du liebst: wertvoller Moment des Abwartens und der Vollführung. Bei denen, die du besuchtest, sei nicht zu lange. Der den du liebst geht nicht von dir.

- Wer fickt hat wenig Bedeutung. Der Geliebte oder Freund ist all das über den Orgasmus hinaus. Ernst gesagt kann keine Gefühlsduselei oder Blödheit sein. Schreibe ohne dein prosaisches Leben zu werben, sei dem Buch treu, stehe Schlange an der Bank, kaufe Brot in der Bäckerei an der Ecke, rufe an aus Telefonzellen, fahre per Anhalter oder Taxi, lehre nie Literatur, weise unpädagogisch hin, höre ohne Erholung Musik, leihe Filmkassetten viele jede Woche aus: entspanne dich nur ohne Untertiteln.

Wachsam, nehme dir die Zeit für die Zeitungen, verfolge den Xingú und Tschetschenien, Sport nur zur flüchtigen Zerstreuung: habe Zeit ist Regel, habe keine Kinder Auferlegung.

- [der Geist ist prägnant wie der Reichtum]

- Aber könnte man nicht den Traum erreichen....??

- Bestreite nicht! Dem Künstler spreißt die Kunst diktatorisch, lese, lese, lese und lese wann immer du willst, stilistisches Kalkül liebäugelnd. Die einzige Regel ist die Annahme:

- Hab' keine Kinder!

- Eliot verbeugt sich im prachtlosen Gebet vor dem Geist und verabschiedet sich, des Zweifels zufrieden, bei dem Geist dieses Sessels, so weich wie stille Gewißheit.

 

Udo Antônio Baingo